TRAUERPORTAL

Seit 2005 hat der Trauerbegleiter Thomas J. Nagy über 3000 trauernde Menschen persönlich in Gruppen- und Einzelgesprächen kennengelernt und begleitet. „Dabei habe ich stets erlebt, dass Trauer keine Krankheit, sondern eine natürliche und vor allem gesunde  Reaktion bei Abschied und Verlust ist.“ Dass laut "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ , kurz: DSM-5, neuerdings Trauer, die länger als 14 Tage dauert, als Depression bzw. Anpassungsstörung diagnostiziert wird, findet er empörend.

roseDabei wird er auch vom deutschen Hypnotherapeuten Gunther Schmidt unterstützt, der dazu meint: „Ich halte das für eine katastrophale destruktive Idee. Ich kann es mir auch nur so erklären, dass das halt, dominiert durch Pharmaindustrie und sonst was gelaufen ist, wie so oft bei diesen DSN-Prozessen offensichtlich.“  Auf der neuen TrauerWeile-CD „… und hobelt alle gleich“ nennt der psychotherapeutische Mediziner folgende Gründe für diese Entwicklung: „Das ist eine typische Ideologie einer Funktionalitätsgesellschaft im Spätkapitalismus, könnte man das nennen, wo die Leute zu funktionieren haben nur für die Prinzipien in dieser Gesellschaft und nicht nach dem, was ihre emotionalen und auch evolutionsorientierten Bedürfnisse sind.“ Für ihn ist Trauer eine Kompetenz, „ein zutiefst menschliches Bedürfnis, natürlich weit über 14 Tage hinaus.“

Auch für den Trauerforscher Jorgos Canacakis ist Trauer niemals eine Krankheit: „Deshalb auch keine Therapie. Tut man mich zur Therapie bringen, dann macht man zwei Fehler: Erstmals falsche Methode und dann auch falsche Therapie, das bringt nichts.“ Das Problem ist allerdings die oft unterentwickelte Trauerfähigkeit. Er vergleicht dies mit dem Lernen der Sprache, was ohne Eltern als Vorbilder nicht geht. „Da wir aber keine Mama und Papa hatten, die mit Trauer umgehen konnten, sind wir in diesem Bereich Analphabeten, also emotionale Analphabeten.“

Vorbilder sind wichtig, weiß auch Gunther Schmidt: „Zum einen ist es ein menschliches  Grundbedürfnis, sich Orientierung an Vorbildern zu verschaffen. Und das sind ja meistens dann Idealisierungen, die mit den Prominenten einher gehen, wo man dann versucht, sich so Orientierung, auch Hilfestellung zu geben, zum Beispiel auch Erlaubnis zu geben, ähnliche Prozesse haben zu dürfen, wenn sie einer Autorität zugeschrieben werden, was bei Prominenten oft der Fall ist.“

Thomas J. Nagy hat für die neue TrauerWeile-CD Gespräche mit prominenten Vorbildern geführt: Cecily Corti, Marko Feingold, Waltraud Haas, Dagmar Koller, Hans Staudacher u.v.m. Dabei hat er folgende Erkenntnisse gewonnen: „Prominente Künstler setzen sich oft auch ohne Todesfall mit Sterben, Tod und Trauer beruflich auseinander. Sie sind meist nicht allein, wie so viele Einsame in der Anonymität der Großstadt – was natürlich auch ein Fluch sein kann. Und, drittens, können sie das oft unaussprechliche Gefühl der Trauer vielleicht klarer artikulieren.“

Prominenten, denen man eine achtenswerte und wertvolle Bedeutung zubilligt, erwecken bei Trauerden oft auch den Eindruck, „aha, der erlebt was Ähnliches wie ich, dann wertet es oft einen im Selbstwertbezugsverfahren auch nochmal selber auf“, so Gunther Schmidt.

Thomas J. Nagy, Trauerbegleiter

TrauerWeile, Klosterneuburg